Die Qualität einer Digitalisierung entscheidet sich nicht am Bildschirm, sondern in der Vorbereitung. Wer Auflösung, Bit-Tiefe, Farbprofil und Aufbau einmal sauber festlegt, spart sich später aufwändige Nachdigitalisierungen. Diese Checkliste führt Schritt für Schritt durch alles, was vor dem ersten Scan geklärt sein sollte.
1. Auflösung an die Vorlage anpassen
Nicht jede Vorlage braucht dieselbe Auflösung. Maßgeblich ist die kleinste relevante Detailgröße und das spätere Nutzungsziel. Als praktische Orientierung:
- Aufsichtsvorlagen (Fotos, Dokumente): 300–400 PPI bezogen auf die Originalgröße.
- Kleinformatige Originale (Negative, Dias): 1.800–4.000 PPI, da stark vergrößert wird.
- Großformate (Karten, Plakate): oft 300 PPI ausreichend — die absolute Pixelzahl wird trotzdem hoch.
Wichtig: Die PPI-Angabe sollte als Metadatum in der Datei landen. ArchivQA liest dieses Feld aus und warnt, wenn es fehlt oder zu niedrig ist. Mehr zu den Schwellenwerten findest du auf der Seite Qualitätsstufen.
2. Bit-Tiefe und Farbprofil festlegen
Für Archiv-Master gilt: 16 Bit pro Kanal bei farbigen oder tonwertreichen Vorlagen. Das gibt Spielraum für Tonwertkorrekturen, ohne Abrisse im Histogramm. Reine Schwarz-Weiß-Textdokumente kommen oft mit 8 Bit aus. Ebenso unverzichtbar ist ein eingebettetes ICC-Farbprofil (z. B. Adobe RGB oder das Profil des Scanners) — ohne Profil sind Farben später nicht eindeutig interpretierbar.
3. Das richtige Dateiformat wählen
Der Master gehört in ein verlustfreies Format — in der Regel TIFF, alternativ PNG oder JPEG 2000 im Lossless-Modus. Verlustbehaftetes JPEG ist für Master tabu, weil bei jedem Speichern Information verloren geht. Welches Format wann passt, vergleicht der Beitrag Bildformate im Detail.
4. Beleuchtung und Aufbau prüfen
- Gleichmäßiges Licht: keine Reflexe, kein Lichtabfall zu den Rändern.
- Planlage der Vorlage: Wellen und Wölbungen erzeugen lokale Unschärfe.
- Parallele Ausrichtung: Sensor und Vorlage exakt planparallel, sonst verläuft die Schärfe.
- Farbreferenz im Bild: ein Graukeil oder Target im Aufnahmeprozess erlaubt spätere Kontrolle.
5. Benennung und Ordnerstruktur
Eine konsistente, sprechende Benennung ist Gold wert: Bestandskürzel, Signatur, laufende Nummer — klein geschrieben, ohne Leer- und Sonderzeichen. So bleiben Dateien sortierbar und maschinenlesbar. Lege parallel die Ordnerlogik fest (etwa nach Bestand und Stufe), bevor die Masse entsteht.
Profi-Tipp: Testlauf vor dem Massen-Scan
Digitalisiere zuerst 5–10 repräsentative Vorlagen und prüfe sie objektiv, bevor hunderte folgen. Stimmen Auflösung, Schärfe, Clipping und Format? Ein früher Fehler im Setup multipliziert sich sonst über den ganzen Bestand.
6. Qualität messen statt schätzen
Zum Schluss steht die Kontrolle. Statt jedes Bild per Auge zu beurteilen, lohnt eine objektive Messung von Schärfe, Rauschen, Auflösung und Clipping. Genau dafür ist ArchivQA gebaut: Bild hochladen, Stufe und Messwerte ablesen, gezielt nacharbeiten — reproduzierbar und ohne Rätselraten.